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Mutter und Vater sein mit einem Schreibaby: Partnerschaft, Alltag, Geschwister, Zwillinge

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten5 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Als Paar durch die Schreizeit
  2. Väter: Warum das Baby „beim Vater schreit“
  3. Der Alltag: weniger ist das Ziel
  4. Mit Geschwistern
  5. Zwillinge und zwei Schreibabys
  6. Alleinerziehend
  7. Häufige Fragen

Wenn eure Nerven blank liegen: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen – Elterntelefon 0800 111 0 550. Warnzeichen wie Fieber unter drei Monaten, Atemnot oder Trinkverweigerung: Warnzeichen-Check, im Notfall 112.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Schreibaby ist ein Familienereignis: Schlafmangel, Streit über das „Richtige“ und das Gefühl, als Paar zu verschwinden, sind normal und gehen vorbei.
  • Die wichtigste Regel: Schichten statt Heldentum. Wer das Baby hat, hat es ganz; wer frei hat, schläft – nicht Haushalt.
  • Väter brauchen Zutrauen: Das Baby schreit beim Vater oft, weil er seltener dran ist, nicht weil er es falsch macht. Mehr Zeit allein mit dem Baby ändert das.
  • Mit Geschwistern: feste Mini-Zeiten für das große Kind, ehrliche Erklärungen, Helfer für das Baby, nicht für das Geschwisterkind.
  • Zwillinge: synchron füttern und schlafen legen, Hilfe von außen ist Pflicht, Haushaltshilfe steht euch oft zu.

Als Paar durch die Schreizeit

Die Zeit mit einem Schreibaby ist für die meisten Paare die härteste des ersten Jahres: Beide schlafen zu wenig, beide fühlen sich allein gelassen, und über die Frage „Was hilft?“ streitet es sich besser als über alles andere. Was hilft, ist Organisation statt Gefühl:

  1. Schichten: Abend 18 bis 22 Uhr, Nacht erste Hälfte, Nacht zweite Hälfte. Wer frei hat, schläft – mit Ohrstöpseln, im anderen Zimmer, ohne Gewissen. Stillende übernehmen die Nachtmahlzeiten, der Partner alles davor und danach (Wickeln, Tragen, Ablegen).
  2. Übergabe mit Satz: „Ich übernehme jetzt.“ Kein Kommentar zur Methode des anderen in dem Moment. Diskussionen tagsüber, ausgeschlafen.
  3. Jeder eine Stunde am Tag allein – nicht Haushalt, nicht Einkauf. Duschen, laufen, schlafen, nichts.
  4. Zehn Minuten Paar ohne Baby-Thema, irgendwann am Tag. Es gibt euch noch.
  5. Keine Schuldzuweisung: Niemand von euch verursacht das Schreien. Die BZgA sagt es, die Kinderärzte sagen es – und ihr sagt es euch gegenseitig.

Väter: Warum das Baby „beim Vater schreit“

Viele Väter erleben, dass das Baby bei ihnen sofort schreit und bei der Mutter ruhig wird. Das liegt selten am Vater und fast immer an der Dosis: Wer das Baby 20 Prozent der Zeit hat, kennt seine Zeichen schlechter, und das Baby kennt ihn weniger – es riecht keine Milch, hört eine andere Stimme, wird anders gehalten. Das ist keine Ablehnung, es ist Gewohnheit, und sie ändert sich mit Zeit: Väter, die täglich ein bis zwei Stunden allein mit dem Baby sind (Tragen, Baden, Spaziergang, Abendschicht), werden in zwei Wochen zur gleichwertigen Beruhigungsperson. Die Mutter muss dafür etwas tun, das schwerfällt: rausgehen und nicht retten, wenn es schreit.

Väter sind außerdem oft die, denen niemand zuhört. Schlafmangel, Hilflosigkeit, die Erwartung, zu funktionieren und am Montag zu arbeiten – auch Väter erleben Erschöpfung und Depressionen nach der Geburt. Elterntelefon, Hebamme, Hausarzt und Schreiambulanz sind auch für euch da.

Der Alltag: weniger ist das Ziel

  • Haushalt auf das Nötigste: Essen, saubere Wäsche, ein freier Weg zum Bett. Alles andere wartet drei Monate.
  • Essen vorkochen oder bestellen, Einkauf liefern lassen, Besuch nur, wenn er etwas mitbringt und das Baby trägt.
  • Feste Ankerzeiten: morgens raus an die Luft, nachmittags Ruhe, ab 16 Uhr Abendmodus – der Tag braucht ein Gerüst, auch wenn die Nächte keins haben.
  • Das Chaos annehmen: Ein Schreibaby lässt keine ordentliche Wohnung zu. Das ist der Zustand, nicht das Versagen.
  • Arbeit: Elternzeit und Elterngeld so planen, dass die ersten drei Monate beide zu Hause sind, wenn es geht – Elterngeld.

Mit Geschwistern

Das große Kind verliert in der Schreizeit am meisten: Aufmerksamkeit, Routinen, entspannte Eltern. Was hilft: täglich 15 Minuten nur für das große Kind, zur gleichen Zeit, mit Vorhersage („nach dem Mittagsschlaf lesen wir“); ehrliche Sätze („das Baby schreit viel, das ist nicht deine Schuld und auch nicht seine“); Helfer für das Baby holen, damit ihr für das große Kind da seid – nicht umgekehrt; Rückschritte (Einnässen, Trotz, „zurück zum Baby werden“) als normal annehmen. Kita und Tagesmutter sind in dieser Zeit Entlastung, kein Abschieben.

Zwillinge und zwei Schreibabys

Zwei schreiende Babys übersteigen das, was zwei Eltern allein leisten können – das ist Arithmetik, nicht Schwäche. Synchronisieren hilft: beide gleichzeitig füttern (Stillkissen für Zwillinge, zwei Flaschen), beide gleichzeitig schlafen legen, auch wenn eines noch nicht müde wirkt; Zwillinge beruhigen sich oft nebeneinander besser als getrennt. Hilfe von außen ist Pflicht: Großeltern im Schichtplan, Familienhebamme über die Frühen Hilfen, Haushaltshilfe – bei Mehrlingen zahlt die Krankenkasse sie auf ärztliche Verordnung oft problemlos. Und das Protokoll führt ihr für beide getrennt; oft zeigt sich, dass nur eines ein Schreibaby ist und das andere nur mitschreit.

Alleinerziehend

Ohne Partner fehlt die Schicht – und die muss von außen kommen. Baut ein Netz aus drei bis fünf Menschen, die feste Zeiten übernehmen (Dienstag 17–19 Uhr, Samstagvormittag), nicht „melde dich, wenn du Hilfe brauchst“. Nutzt die Frühen Hilfen (Familienhebamme, die nach Hause kommt), Mutter-Kind-Angebote, die Schreiambulanz, die Haushaltshilfe der Kasse. Und speichert das Elterntelefon im Handy: 0800 111 0 550 – es ist die Schicht, die immer da ist.

Mein Mann und ich haben uns in Woche fünf so angeschrien wie das Baby. Danach haben wir einen Zettel gemacht: wer wann, und dass der andere nicht reinredet. Es war unromantisch. Es hat uns durch die nächsten zwei Monate gebracht.

Häufige Fragen

Warum schreit mein Baby beim Vater mehr als bei mir?

Meist, weil der Vater weniger Zeit allein mit dem Baby hat: Es kennt ihn weniger, er kennt die Zeichen weniger. Täglich ein bis zwei Stunden allein zu zweit – ohne Rettung durch die Mutter – ändern das in zwei Wochen.

Wie teilen wir uns die Nächte mit einem Schreibaby auf?

In Schichten: erste und zweite Nachthälfte, oder einer übernimmt die Nachtmahlzeiten und der andere alles davor und danach. Wer frei hat, schläft im anderen Zimmer mit Ohrstöpseln.

Bekommen wir mit Zwillingen eine Haushaltshilfe?

Bei Mehrlingen, Erschöpfung oder Krankheit zahlt die Krankenkasse auf ärztliche Verordnung meist eine Haushaltshilfe. Fragt Frauenärztin, Hausarzt oder Hebamme nach der Verordnung.

Wie erkläre ich dem großen Geschwisterkind das Schreien?

Ehrlich und kurz: „Das Baby schreit viel, das ist nicht deine Schuld und nicht seine. Es hört auf, wenn es größer wird.“ Dazu täglich 15 feste Minuten nur für das große Kind.

Quellen

  1. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Schreiprobleme – exzessives Schreien, Ursachen, Hilfe – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/schreien/schreiprobleme/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Frühe Hilfen für Eltern – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/fruehe-hilfen-fuer-eltern/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Babyschreien und Schütteltrauma – Fachthema – https://www.fruehehilfen.de/grundlagen-und-fachthemen/fachthemen/babyschreien-und-schuetteltrauma/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. Bundesfamilienministerium: „Nummer gegen Kummer“ – Elterntelefon 0800 111 0 550 – https://www.bmbfsfj.bund.de/bmbfsfj/aktuelles/alle-meldungen/-nummer-gegen-kummer-telefonische-hilfe-fuer-eltern-und-kinder-89948 (abgerufen 10.10.2026)
  5. elternsein.info (NZFH): Beratungsangebote und Schreiambulanzen in der Nähe – Postleitzahlensuche – https://www.elternsein.info/ (abgerufen 10.10.2026)
Jana Kühnler, Mutter von zwei Kindern, Autorin der „Schreibaby-Gebrauchsanweisung“. Erstmals veröffentlicht im Mai 2016, vollständig neu geschrieben und von der Redaktion gegen die genannten Quellen geprüft am 10.10.2026. Erfahrung und Information, keine ärztliche Beratung – bei Warnzeichen in die Praxis.

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