Zum Inhalt springen

Baby beruhigen: Was in der Situation wirklich hilft – Schritt für Schritt

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 4 Minuten6 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Der Finder für eure Situation
  2. Die Reihenfolge, die sich bewährt hat
  3. Was in Studien und Praxis hilft
  4. Was nicht hilft (und was schadet)
  5. Nach Situation
  6. Häufige Fragen

Wenn eure Nerven blank liegen: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen – Elterntelefon 0800 111 0 550. Warnzeichen wie Fieber unter drei Monaten, Atemnot oder Trinkverweigerung: Warnzeichen-Check, im Notfall 112.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erst die Grundbedürfnisse in 60 Sekunden prüfen: Hunger, Windel, Wärme, Kleidung, Haar um Finger oder Zeh.
  • Dann die 5 S nacheinander: Pucken, Seitenlage auf dem Arm, Rauschen, rhythmisches Wiegen, Saugen – jede Methode ein paar Minuten durchhalten, nicht alle 30 Sekunden wechseln.
  • Weniger ist mehr: Licht dimmen, Lärm raus, Besuch raus. Viele Babys schreien aus Überreizung, nicht aus Langeweile.
  • Was nicht hilft: Fön, Entblähungstropfen, Autofahren um Mitternacht als Dauerlösung, Schreien lassen bei Neugeborenen.
  • Stoppregel: Wenn die Wut kommt – Baby sicher ablegen, Raum verlassen, zwei Minuten atmen. Niemals schütteln.

Der Finder für eure Situation

Beruhigungs-Finder: Was jetzt, in dieser Situation?

Drei Angaben – und ihr bekommt die Schritte in der Reihenfolge, die sich bewährt hat. Mit Stoppregel.

Wie alt ist euer Kind?

Wann oder wo schreit es?

Wirkt euer Kind krank?

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

Das Wichtigste zuerst: Wer ein schreiendes Baby beruhigen will, braucht einen Plan, keine Ideen. Wer in zehn Minuten zehn Dinge ausprobiert, überreizt das Baby weiter – die BZgA warnt ausdrücklich davor, hektisch viele Methoden zu wechseln. Deshalb eine feste Reihenfolge, jede Stufe zwei bis fünf Minuten:

  1. Grundbedürfnisse (60 Sekunden): Letzte Mahlzeit über zwei Stunden her? Windel? Nacken fühlen – zu warm oder zu kalt? Zu enge Kleidung, Etikett, ein Haar, das sich um Finger oder Zeh gewickelt hat?
  2. Nähe und Blickkontakt: Hochnehmen, Gesicht nah, leise sprechen oder summen. Oft reicht das – die BZgA rät, Blickkontakt und Zureden vor dem Herumtragen zu versuchen.
  3. Reize runter: Licht dimmen, Fernseher und Radio aus, Besuch in die Küche, Spielzeug weg. Ein überreiztes Baby braucht Langeweile.
  4. Die 5 S (nach dem US-Kinderarzt Harvey Karp): Swaddle – pucken; Side – in Seiten- oder Bauchlage auf dem Arm halten (nur auf dem Arm, zum Schlafen immer Rückenlage); Shush – lautes, gleichmäßiges „Schhhh“ nahe am Ohr oder weißes Rauschen; Swing – kleine, schnelle, rhythmische Bewegungen, nie Schütteln; Suck – Schnuller, Brust, sauberer Finger. Nacheinander aufbauen, nicht alles auf einmal.
  5. Tragen und Gehen: Im Tragetuch oder in der Trage eng am Körper, gleichmäßig gehen, Treppenhaus, Balkon, draußen. Ortswechsel unterbricht das Eingeschriene.
  6. Durchhalten statt wechseln: Hat eine Methode nach fünf Minuten die Lautstärke gesenkt, dabei bleiben – auch wenn es noch nicht still ist.

Stoppregel – für euch, nicht gegen das Baby: Wenn ihr merkt, dass Wut oder Verzweiflung kommen, legt das Baby auf den Rücken ins Bett, verlasst den Raum, lehnt die Tür an und atmet zwei Minuten. Ein Baby, das im Bett weint, ist sicher. Schütteln kann in Sekunden bleibende Hirnschäden verursachen. Mehr unter Hilfe bei Überforderung.

Was in Studien und Praxis hilft

  • Tragen: Säuglinge, die tagsüber mehrere Stunden getragen werden, schreien in einigen Studien weniger – vor allem in den ersten Wochen. Nicht als Pflicht, aber als Erlaubnis: Ihr verwöhnt nichts.
  • Pucken: Hilft Babys, die sich mit den eigenen Armen aufschrecken. Nur bis zum ersten Drehen (etwa 3 bis 4 Monate), Hüften frei beweglich, nie zu warm, zum Schlafen auf dem Rücken.
  • Weißes Rauschen: Staubsauger, Rauschen-App, Dunstabzug – gleichmäßig, Zimmerlautstärke, nicht direkt am Ohr. Erinnert an die Geräusche im Mutterleib.
  • Rhythmus im Tag: Feste Reihenfolge von Schlafen, Füttern, Wachzeit; Müdigkeitszeichen (Gähnen, Wegschauen, Augenreiben) sofort beantworten. Übermüdung ist der häufigste Grund für Abendschreien.
  • Fliegergriff und Bauchmassage: Bei Verdacht auf Bauchweh – Baby bäuchlings auf dem Unterarm, Hand unter dem Bauch; oder im Uhrzeigersinn um den Nabel streichen.
  • Eure eigene Ruhe: Babys spiegeln Anspannung. Wenn ihr nicht ruhig seid, übernehmt euch ab – Partner, Großeltern, Nachbarin.

Was nicht hilft (und was schadet)

Fön
Laut, heiß, Brandgefahr. Die BZgA rät ausdrücklich ab. Eine Rauschen-App auf leise macht dasselbe gefahrlos.
Entblähungstropfen, Tees, Globuli
Simeticon wirkt in Studien nicht besser als Placebo; Tees mit Fenchel oder Kümmel sind für Säuglinge nicht nötig und können die Trinkmenge verdrängen; Homöopathie hat keine belegte Wirkung. Wer es trotzdem gibt: nur nach Rücksprache.
Nächtliche Autofahrten als System
Einmal in der Not ja; als Einschlafmethode baut ihr eine Gewohnheit, die euch jede Nacht ins Auto zwingt.
Beruhigungsmittel
Nie. Auch keine „pflanzlichen“ Sirupe. Die BZgA: Babys niemals Medikamente zur Beruhigung geben.
Schreien lassen bei Neugeborenen
In den ersten Monaten kann ein Baby nicht allein aus der Erregung heraus. Schreien lassen bringt kein Lernen, nur Stress – siehe Schreien lassen oder nicht?.
Schütteln
Lebensgefährlich. Kein „nur kurz“.

Nach Situation

Abends schreit es anders als nachts, beim Stillen anders als im Auto. Die Situations-Artikel: abends, nachts, beim Stillen oder Trinken, unterwegs, im Auto, beim Baden, beim Einschlafen.

Mein Fehler in den ersten Wochen: zu viel. Lichter, Mobile, Musik, Rassel, Oma, Tante – alles gleichzeitig, weil ich dachte, Ablenkung hilft. Als die Hebamme sagte „Dunkel, leise, nah, und dann zehn Minuten gar nichts Neues“, hat es zum ersten Mal funktioniert.

Häufige Fragen

Was sind die 5 S zum Baby beruhigen?

Swaddle (pucken), Side (Seitenlage auf dem Arm), Shush (Rauschen), Swing (rhythmisch wiegen), Suck (saugen) – eine Methode des Kinderarztes Harvey Karp. Nacheinander aufbauen und jede ein paar Minuten durchhalten.

Hilft ein Fön, um das Baby zu beruhigen?

Das Rauschen ja, der Fön nein: zu laut, zu heiß, Brandgefahr. Eine Rauschen-App oder der Dunstabzug in Zimmerlautstärke wirken genauso.

Verwöhne ich mein Baby, wenn ich es immer hochnehme?

Nein. Babys unter einem Jahr kann man nicht verwöhnen; schnelles Trösten führt laut BZgA zu weniger Schreien später, nicht zu mehr.

Wie lange soll ich eine Methode probieren?

Zwei bis fünf Minuten, bevor ihr wechselt. Senkt eine Methode die Lautstärke, bleibt dabei. Ständiger Wechsel überreizt das Baby zusätzlich.

Was mache ich, wenn gar nichts hilft?

Baby sicher ins Bett legen, Raum verlassen, durchatmen, jemanden anrufen – Partner, Freundin, Elterntelefon 0800 111 0 550. Danach von vorn mit der Reihenfolge. Wirkt das Baby krank, Warnzeichen-Check und Praxis.

Quellen

  1. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Das Schreien des Babys – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/schreien/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Häufigem und langem Schreien vorbeugen – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/alltagstipps/0-12-monate/haeufigemundlangemschreienvorbeugen/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Anregungen und Ruhepausen für Babys – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/spielen/0-12-monate/anregungen-ruhepausen/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Babyschreien und Schütteltrauma – Fachthema – https://www.fruehehilfen.de/grundlagen-und-fachthemen/fachthemen/babyschreien-und-schuetteltrauma/ (abgerufen 10.10.2026)
  5. Ellwood et al.: Comparison of common interventions for the treatment of infantile colic – systematic review of reviews and guidelines (BMJ Open 2020) – https://bmjopen.bmj.com/content/10/2/e035405 (abgerufen 10.10.2026)
  6. Apotheken Umschau: Wie Eltern Schreibabys beruhigen können – https://www.apotheken-umschau.de/familie/kindergesundheit/wie-eltern-schreibabys-beruhigen-koennen-791083.html (abgerufen 10.10.2026)
Jana Kühnler, Mutter von zwei Kindern, Autorin der „Schreibaby-Gebrauchsanweisung“. Erstmals veröffentlicht im Mai 2016, vollständig neu geschrieben und von der Redaktion gegen die genannten Quellen geprüft am 10.10.2026. Erfahrung und Information, keine ärztliche Beratung – bei Warnzeichen in die Praxis.

Mehr aus Schreien verstehen