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Schreibaby: Ab wann wird es besser? Die Schreikurve und was sie für euch bedeutet

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 3 Minuten5 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Die Schreikurve
  2. Was nach dem vierten Monat bleibt
  3. Zeichen, dass es besser wird
  4. Die Wochen bis dahin überstehen
  5. Wann es nicht nur eine Phase ist
  6. Häufige Fragen

Wenn eure Nerven blank liegen: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen – Elterntelefon 0800 111 0 550. Warnzeichen wie Fieber unter drei Monaten, Atemnot oder Trinkverweigerung: Warnzeichen-Check, im Notfall 112.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Schreien steigt ab der zweiten Woche an, erreicht in der sechsten Woche den Höhepunkt und fällt bis zum dritten bis vierten Monat deutlich ab – bei Schreibabys genauso, nur auf höherem Niveau.
  • Mit dem Ende des vierten Monats ist das exzessive Schreien bei etwa 90 Prozent der Babys vorbei.
  • Bei einem kleineren Teil bleibt Unruhe mit Schlaf- und Fütterproblemen – dann ist die Schreiambulanz der richtige Ort, nicht noch mehr Warten.
  • Besserung kommt nicht an einem Tag: erst kürzere Phasen, dann leichter zu beruhigen, dann ganze gute Abende.
  • Rechnet in Wochen, nicht in Nächten – und holt euch Entlastung für die Zeit bis dahin.

Die Schreikurve

Die Schreidauer von Babys folgt einem Muster, das Forscher weltweit und in verschiedenen Kulturen gefunden haben – ob die Kinder getragen oder gelegt, gestillt oder mit der Flasche gefüttert werden:

AlterDurchschnittliche Schreidauer pro TagBei Schreibabys
1. Wocheetwa 1 Stundeoft noch ruhig
2.–3. Wochesteigt anerste lange Abende
6. WocheHöhepunkt, etwa 2–3 Stunden3–5 Stunden, oft am Stück
8.–10. Wochegeht zurückPhasen werden kürzer
12.–16. Wocheetwa 1 Stunde, meist mit Grundbei den meisten vorbei

Das Entscheidende an dieser Kurve: Sie geht nach dem Höhepunkt zuverlässig nach unten. Kinderärzte im Netz und die BZgA beschreiben, dass die Phasen bis zum Ende des dritten Monats bei den allermeisten Babys nachlassen – daher der alte Name „Dreimonatskoliken“. Wer in der sechsten Woche steht und denkt, es werde nie aufhören, steht am höchsten Punkt – und von dort geht es bergab.

Was nach dem vierten Monat bleibt

Bei etwa 90 Prozent der Schreibabys ist das exzessive Schreien mit vier Monaten vorbei. Was oft bleibt: ein Temperament, das schneller auf Reize reagiert, und manchmal ein Schlafverhalten, das sich in der Schreizeit eingeschliffen hat (nur auf dem Arm, nur an der Brust). Beides ist bearbeitbar – siehe Durchschlafen.

Bei einem kleineren Teil, etwa 5 bis 8 Prozent, hält die Unruhe über den vierten Monat an und verbindet sich mit Schlaf- und Fütterproblemen. Die AWMF-Leitlinie nennt das eine Regulationsstörung. Dann ist Warten der falsche Rat: Die Schreiambulanz oder eine Eltern-Säuglings-Beratung über die Frühen Hilfen hilft in wenigen Sitzungen – mit Videoanalyse der Interaktion, Tagesstruktur und Entlastung der Eltern.

Zeichen, dass es besser wird

  • Die Abendphase beginnt später oder endet früher – erst um 30 Minuten, dann um eine Stunde.
  • Das Baby lässt sich schneller beruhigen; was gestern 20 Minuten brauchte, braucht 10.
  • Es gibt einzelne gute Abende – anfangs einer pro Woche, dann mehr.
  • Längere Schlafphasen am Tag, das erste Lächeln (um die sechste Woche), mehr wache, zufriedene Minuten.
  • Das Schreien bekommt Gründe: Hunger, Müdigkeit, Langeweile – und die lassen sich beantworten.

Führt das Schreiprotokoll weiter, auch wenn es besser wird: Die Minuten pro Tag sinken zu sehen, ist das Einzige, was in schlechten Wochen Hoffnung gibt – weil es die Kurve zeigt, nicht das Gefühl.

Die Wochen bis dahin überstehen

  1. Rechnet in Wochen. „Noch sechs Wochen bis zum vierten Monat“ ist aushaltbar. „Jede Nacht für immer“ nicht – und es ist auch nicht wahr.
  2. Teilt die Last. Schichten am Abend und in der Nacht, auch mit Großeltern, Freundinnen, Nachbarn. Zwei Stunden Schlaf am Stück verändern den nächsten Tag.
  3. Streicht alles Unnötige. Besuch, Haushalt, Erwartungen. Die ersten drei Monate sind Ausnahmezustand, kein Maßstab.
  4. Nutzt die Angebote. Hebamme, Schreiambulanz, Frühe Hilfen, Elterntelefon – alle kostenlos, alle für genau diese Wochen gemacht. Mehr unter Hilfe bei Überforderung.
  5. Merkt euch den Satz: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, zwei Minuten atmen – bevor etwas passiert, das ihr nicht wollt.

Wann es nicht nur eine Phase ist

Hört das Schreien nach dem vierten Monat nicht auf, nimmt das Baby schlecht zu, trinkt schlecht, wirkt es apathisch oder schreit es schrill und anders als sonst – dann gehört es zur Kinderärztin, unabhängig von jeder Kurve. Und wenn ihr merkt, dass ihr selbst nicht mehr könnt – dann ist das Zeichen genug, egal in welcher Woche.

Ich habe mir in der sechsten Woche einen Zettel an den Kühlschrank gehängt: „Woche 6 – ab jetzt wird es weniger.“ Er hing dort bis zum vierten Monat. Er hatte recht.

Häufige Fragen

Wie lange dauert die Schreibaby-Phase?

Sie beginnt um die zweite Woche, ist in der sechsten Woche am stärksten und lässt bis zum dritten bis vierten Monat deutlich nach – bei etwa 90 Prozent der Babys. Ein kleiner Teil braucht danach Unterstützung durch die Schreiambulanz.

Wann hört das Abendschreien auf?

Meist zwischen dem dritten und vierten Monat. Vorher werden die Phasen schrittweise kürzer – erst einzelne gute Abende, dann mehr.

Warum ist die sechste Woche so schlimm?

Weil die Schreikurve dort weltweit ihren Höhepunkt hat – vermutlich wegen eines Reifungsschritts im Nervensystem. Es ist der schlimmste Punkt, und danach geht es bergab.

Was, wenn es mit fünf Monaten immer noch schreit?

Dann ist Abwarten nicht mehr der richtige Rat: Kinderärztliche Untersuchung und Schreiambulanz oder Frühe Hilfen. Anhaltende Unruhe mit Schlaf- und Fütterproblemen lässt sich in wenigen Beratungssitzungen meist deutlich verbessern.

Quellen

  1. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Das Schreien des Babys – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/schreien/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. Kinderärzte im Netz (BVKJ): Was ist ein Schreibaby? Regulationsstörung, veraltet Dreimonatskoliken – https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/schreibaby-regulationsstoerung-veraltet-dreimonatskoliken/was-ist-ein-schreibaby/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. Kinderärzte im Netz (BVKJ): Dreimonatskoliken erkennen und lindern – https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/meldung/dreimonatskoliken-erkennen-und-lindern/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. AWMF-Leitlinie 028-028: Psychische Störungen im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter (Regulationsstörungen: exzessives Schreien, Schlaf-, Fütterstörungen) – https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/028-028 (abgerufen 10.10.2026)
  5. elternsein.info (NZFH): Beratungsangebote und Schreiambulanzen in der Nähe – Postleitzahlensuche – https://www.elternsein.info/ (abgerufen 10.10.2026)
Jana Kühnler, Mutter von zwei Kindern, Autorin der „Schreibaby-Gebrauchsanweisung“. Erstmals veröffentlicht im Mai 2016, vollständig neu geschrieben und von der Redaktion gegen die genannten Quellen geprüft am 10.10.2026. Erfahrung und Information, keine ärztliche Beratung – bei Warnzeichen in die Praxis.

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