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Baby schreit abends: Warum die „Hexenstunde“ kommt und was dann hilft

Geprüft am 10.10.2026Lesezeit 3 Minuten5 Quellen
Inhalt dieser Seite
  1. Warum ausgerechnet abends?
  2. Wie lange das dauert
  3. Ein Abendplan, der das Schreien kürzer macht
  4. Plant euch selbst ab
  5. Wann es nicht die Hexenstunde ist
  6. Häufige Fragen

Wenn eure Nerven blank liegen: Baby sicher ablegen, Raum verlassen, durchatmen – Elterntelefon 0800 111 0 550. Warnzeichen wie Fieber unter drei Monaten, Atemnot oder Trinkverweigerung: Warnzeichen-Check, im Notfall 112.

Das Wichtigste in Kürze

  • Abendschreien beginnt um die zweite Woche, ist in der sechsten Woche am stärksten und lässt bis zum vierten Monat nach – bei fast allen Babys.
  • Die Hauptgründe sind Überreizung und Übermüdung nach einem langen Tag, nicht Hunger und nicht Bauchweh.
  • Was hilft: der Tag endet um 16 Uhr – kein Besuch, kein Programm, früh dunkel, feste Reihenfolge, Tragen und Rauschen.
  • Was nicht hilft: immer wieder anlegen, Spielzeug, Fernseher, Wechsel zwischen zehn Methoden.
  • Plant euch ab: Wer von 18 bis 21 Uhr das Baby hat, braucht davor eine Pause und danach Ablösung.

Warum ausgerechnet abends?

Das abendliche Schreien ist so typisch, dass es in jeder Sprache einen Namen hat – „Hexenstunde“, „witching hour“. Die BZgA beschreibt es als Phasen, in denen das Baby ohne erkennbaren Grund schreit, obwohl es satt und trocken ist, „häufig am späten Nachmittag oder Abend“. Dahinter stecken zwei Dinge, die sich über den Tag aufbauen:

  • Überreizung: Ein Neugeborenes verarbeitet jeden Blick, jedes Geräusch, jeden Besuch. Am Abend ist der Speicher voll, und das Schreien ist das Ventil. Deshalb sind die Tage mit Oma, Supermarkt und Spaziergang in der Stadt oft die schlimmsten Abende.
  • Übermüdung: Babys, die tagsüber zu lange wach waren oder nur kurz schliefen, schütten Stresshormone aus – und übermüdete Babys schreien, statt einzuschlafen.

Dazu kommt, dass abends die Milchmenge beim Stillen oft etwas geringer ist und viele Babys „clustern“: alle 30 bis 60 Minuten kurz trinken. Das ist normal und kein Zeichen, dass die Milch nicht reicht.

Wie lange das dauert

Die Abendphasen beginnen meist in der zweiten Lebenswoche, dauern anfangs eine halbe Stunde, in der sechsten Woche oft zwei bis drei Stunden und werden ab der zehnten Woche kürzer. Mit drei bis vier Monaten sind sie bei den meisten Babys verschwunden. Das klingt lang. Rechnet in Wochen, nicht in Abenden – und wisst: Die Kurve geht nach dem Höhepunkt zuverlässig nach unten. Siehe Ab wann wird es besser?.

Ein Abendplan, der das Schreien kürzer macht

  1. Der Tag endet um 16 Uhr. Danach kein Besuch, kein Einkauf, kein Bildschirm im Raum, kein lautes Spielzeug. Was ihr erledigen müsst, erledigt ihr vormittags.
  2. Letzter Tagesschlaf nicht ausfallen lassen. Ein Baby, das von 15 bis 20 Uhr wach ist, schreit sicher. Lieber ein kurzes Schläfchen im Tragetuch oder Kinderwagen um 17 Uhr.
  3. Dämmerlicht ab 18 Uhr. Rollos halb zu, kleine Lampe, leise Stimmen. Reize runter, bevor der Speicher voll ist.
  4. Feste Reihenfolge: Baden (nicht jeden Tag) oder Waschen, Massage, Schlafanzug, Stillen oder Flasche im Halbdunkel, Rauschen, Tragen. Jeden Abend gleich – Babys lieben Vorhersagbarkeit.
  5. Tragen statt Legen: In der Hexenstunde will das Baby an den Körper. Tragetuch, Trage, Fliegergriff, gleichmäßiges Gehen. Wechselt euch ab.
  6. Eine Methode durchhalten. Rauschen plus Tragen fünf Minuten, bevor ihr etwas Neues probiert.
  7. Clusterfeeding zulassen: Wenn das Baby alle 40 Minuten trinken will, lasst es – aber nicht als einzige Beruhigung, sonst schluckt es Luft und schreit mehr.

Bei uns hat ein einziger Satz den Abend gerettet: „Ab 16 Uhr ist Nachtmodus.“ Die Tür blieb zu, das Handy lag weg, das Licht war aus. Das Schreien kam trotzdem, aber es war eine Stunde statt drei – und wir wussten, dass es kam.

Plant euch selbst ab

Abendschreien ist für die Eltern der gefährlichste Teil des Tages: Ihr seid müde, es ist dunkel, das Schreien dauert. Die meisten Schütteltraumata passieren am Abend und in der Nacht. Deshalb: Wer die Hexenstunde übernimmt, hat davor eine halbe Stunde allein gehabt. Nach einer Stunde wird abgelöst, auch wenn „gerade nichts hilft“. Alleinerziehende: Telefonkette mit Freundin oder Nachbarin, und das Elterntelefon 0800 111 0 550 steht im Handy.

Wann es nicht die Hexenstunde ist

Abendschreien ist gleichmäßig, anhaltend, unleidlich – aber das Baby wirkt sonst gesund, trinkt, nimmt zu und hat kein Fieber. Schrilles, wimmerndes oder ungewohnt hohes Schreien, Fieber, Erbrechen, Trinkverweigerung, ein schlaffes oder apathisches Baby sind etwas anderes: Warnzeichen-Check, Kinderarzt oder Bereitschaftsdienst 116 117.

Häufige Fragen

Warum schreit mein Baby jeden Abend um die gleiche Zeit?

Weil sich Reize und Müdigkeit über den Tag aufstauen und abends die Verarbeitung kippt. Das Abendschreien ist die häufigste Form des Säuglingsschreiens, beginnt um die zweite Woche und verschwindet bis zum vierten Monat.

Hat mein Baby abends Hunger, weil meine Milch nicht reicht?

Meist nicht. Abends ist Clusterfeeding normal – häufiges kurzes Trinken. Ob die Milch reicht, zeigen nasse Windeln (ab Tag 5 mindestens sechs) und die Gewichtskurve, nicht das Abendschreien.

Soll ich das Baby abends im Auto herumfahren?

In der Not einmal ja. Als tägliche Methode nein – sie baut eine Gewohnheit, die euch jeden Abend ins Auto zwingt. Tragen im Treppenhaus wirkt ähnlich und ist flexibler.

Wie lange dauert die Hexenstunde?

Anfangs eine halbe Stunde, um die sechste Woche oft zwei bis drei Stunden, danach kürzer; mit drei bis vier Monaten ist sie bei den meisten vorbei.

Quellen

  1. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Das Schreien des Babys – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/schreien/ (abgerufen 10.10.2026)
  2. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Schreiprobleme – exzessives Schreien, Ursachen, Hilfe – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/0-12-monate/schreien/schreiprobleme/ (abgerufen 10.10.2026)
  3. BZgA/BIÖG kindergesundheit-info.de: Anregungen und Ruhepausen für Babys – https://www.kindergesundheit-info.de/themen/spielen/0-12-monate/anregungen-ruhepausen/ (abgerufen 10.10.2026)
  4. Nationales Zentrum Frühe Hilfen: Babyschreien und Schütteltrauma – Fachthema – https://www.fruehehilfen.de/grundlagen-und-fachthemen/fachthemen/babyschreien-und-schuetteltrauma/ (abgerufen 10.10.2026)
  5. Kinderärzte im Netz (BVKJ): Was ist ein Schreibaby? Regulationsstörung, veraltet Dreimonatskoliken – https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/schreibaby-regulationsstoerung-veraltet-dreimonatskoliken/was-ist-ein-schreibaby/ (abgerufen 10.10.2026)
Jana Kühnler, Mutter von zwei Kindern, Autorin der „Schreibaby-Gebrauchsanweisung“. Erstmals veröffentlicht im Juni 2016, vollständig neu geschrieben und von der Redaktion gegen die genannten Quellen geprüft am 10.10.2026. Erfahrung und Information, keine ärztliche Beratung – bei Warnzeichen in die Praxis.

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